
Barbara Klug Redman: Selbstmanagement
chronisch Kranker, Hans Huber Verlag Bern, 2008
S. 31
1.4.1
Problemlösungsbezugsrahmen und Problemiösungsfertigkeiten
Bei chronischen Erkrankungen hängt das
psychische und physische Wohlbefinden der betroffenen Person weitgehend davon ab, inwieweit sie
fähig ist, ihre Ernährungsweise, Aktivitäten
und Medikation sorgfältig zu planen, und zwar unabhängig von
widerstreitenden Anforderungen des Lebens, Stressfaktoren und Stimmungsschwankungen. Diese SM-Aufgaben
erfordern Problemlösungsfertigkeiten,
die in traditionellen Patientenschulungen meist nicht gelehrt werden. Wenn
keine effektive Antwort gefunden wird oder verfügbar ist, wird es problematisch. Die Probleme sind neuartig, mehrdeutig und
ungenau, sie erfordern widersprüchliche
Reaktionen, während die Ressourcen fehlen. Eine effektive Lösung erreicht
das Ziel unter Minimierung negativer Folgen. Eine problemzentrierte Instruktion kann sich von einer üblicheren
themenzentrierten Instruktion stark unterscheiden.
Der Ablauf ist
bekannt: Zuerst müssen die Probleme definiert werden, dann wird nach Alternativen
gesucht und eine bestimmte Lösung gewählt, die umgesetzt, überwacht und
auf ihre Effektivität hin evaluiert wird. Dieses Vorgehen muss in allen Bereichen
des Selbstmanagement gelehrt und geübt werden, und zwar so lange, bis es sicher
beherrscht wird. Die Kranken müssen diese Schritte verstehen, deshalb muss ihnen
gezeigt und modellhaft demonstriert werden, wie relevante Probleme zu lösen
sind. Weiterhin müssen sie üben, Probleme zu lösen. Anschließend bekommen sie
Rückmeldungen über ihre Problemlösungsfertigkeiten.
Die Lernenden
absolvieren dabei folgende Schritte:
1. Problemlösung durch Analogie/Verknüpfung.
Dabei beziehen sich die Patien
ten und Patientinnen auf bekannte Beispiele
und übertragen sie auf die eige
nen, zur Lösung anstehenden Probleme.
2.
Sie entwickeln
Regeln, anhand derer sie Probleme lösen.
3. Sie können nun Probleme leicht und schnell
lösen.
4. Sie sind geübt,
können viele verschiedene Probleme lösen und deshalb eine
Lösung schnell aus dem Gedächtnis
abrufen.
Es ist erheblich einprägsamer,
Problemlösung zu demonstrieren als lediglich zu erklären. Wichtig ist auch, zu
lernen, wie ein Fehler erkannt, ein Fehlschlag überwunden und der Fehler
künftig vermieden wird. Die Unterstützung beim Problemlösungsprozess wird schrittweise
entzogen.
